Elternanfragen

Lieber Karl,

im Anhang ist ein Info von SchuzH e.V. wegen Elternanfragen bezüglich des staatlichen Sexualunterrichts und ihrer Möglichkeiten zum Schutz ihrer Kinder.


Mit freundlichen Grüßen
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Christa Widmer
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SE SchuzH-Info 2010 - 11.03.10 - AE.docx
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Schulunterricht zu Hause e.V.

Verein zur Verwirklichung des grundgesetzlich garantierten Erziehungsrechts der Eltern

Buchwaldstraße 16

63303 Dreieich

Telefon: 06103 / 602370

Telefax: 06103 / 602372

e-mail: 
AE-RA@t-online.de

Schulunterricht zu Hause e.V. Buchwaldstr.16 63303 Dreieich

Kurz-Info zur staatlichen Sexualerziehung aufgrund von Eltern-

anfragen

I. Von der elterlichen Sexualerziehung zur staatlichen Sexualerziehung – ein kurzer ge-

schichtlicher Überblick

1968 gab die Konferenz der Kultusminister die Empfehlung zur Einführung der Sexualerziehung

in der Schule. Dies führte dazu, dass die Schulen aller Bundesländer Sexualkundeunterricht und

fächerübergreifend Sexualerziehung einführten.

Die staatliche Sexualerziehung führte zu erheblichen Protesten von Eltern, die ihre und ihrer

Kinder Grundrechte verletzt sahen, von Elternvereinen, Wissenschaftlern und Kirchen. Der Zu-

sammenhang zwischen der 1968 offen ausgebrochenen Kultur- und Sexualrevolution mit dem

Ziel, die bestehende Gesellschaft neomarxistisch umzugestalten, und der schulischen Sexual-

erziehung als wichtigem Instrument der Revolution, wurde klar erkannt.

In einem Offenen Brief an alle Kultusminister der Länder forderte die Konferenz Bekennender

Gemeinschaften in der EKiD im Juni 19771 unter anderem:

„Die zwangsweise Sexualisierung der Kinder durch ein besonderes Schulfach oder

auch als Durchgangsunterrichtsprinzip muss aufgehoben werden. Denn die bewuss-

te Ausklammerung des sittlichen Aspekts bei gleichzeitigem Abbau ... des Scham-

gefühls reizt zur Frivolität und zum vorehelichen Geschlechtsverkehr. ...

Der tiefgreifende Einbruch des anarchistischen Neomarxismus in unsere Gesell-

schaft vor allem in Gestalt der „Kritischen Theorie“ der Frankfurter Schule unter der

Bezeichnung „emanzipatorische Bewegung“ hat sich seit Ende der sechziger Jah-

re an den erziehungswissenschaftlichen Institutionen etabliert. Sie will den Men-

schen von aller sog. Fremdbestimmung, zu der auch die biblischen Gebote

und die elterliche Autorität gerechnet werden, „befreien“. ... Das erkenntnis-

leitende Interesse der Humanwissenschaften wird heute weithin von dieser Idee

bestimmt. Sie hat in die Richtlinien und Schulbücher vieler Fächer Eingang gefun-

den. Ihr eigentliches Ziel ist es, unsere heutige nationale Gesellschaftsordnung um-

zustürzen und eine Weltgesellschaft mit universalistischer Moral durchzusetzen.

Dabei soll eine Umerziehung unserer Kinder diese zu sog. „neuen Menschen“,

1 veröffentlicht in Immanuel Lück, Alarm um die Schule, 1979, S. 405 ff
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d.h. Träger der Kulturrevolution, machen. ... “ (Fettdruck von SchuzH)

Schließlich hatte das Bundesverfassungsgericht über die Frage zu entscheiden, ob die Sexual-

erziehung zum staatlichen Erziehungs- und Bildungsauftrag gehöre oder nicht.

Das Bundesverfassungsgericht entschied (BVerfGE 46,46 ff vom 21.12.1977), dass der Staat

berechtigt sei, Sexualerziehung in der Schule durchzuführen, aber nicht uneingeschränkt.

Der Staat hat verfassungsrechtliche Grenzen zu beachten, die sich aus dem elterlichen Erzie-

hungsrecht und dem Persönlichkeitsrecht des Schülers ergeben. Diese sind:

1. Offenheit für die verschiedenen Wertvorstellungen auf dem Gebiet der Sexualität;

2. Rücksichtnahme auf die religiöse oder weltanschauliche Einstellung der Eltern;

3. Ein umfassendes Informationsrecht der Eltern über alle Unterrichtsthemen und alle

Materialien (Arbeitsblätter, Folien, Bücher, Hefte, Filme etc.);

4. eine so rechtzeitige Information der Eltern vor dem Unterricht, dass diese ihren Kin-

dern zuvor ihre eigenen Sexualvorstellungen vermitteln können und die Eltern ihre

möglichen Bedenken gegen die staatliche Sexualerziehung vortragen können;

5. Verbot der Indoktrination der Schüler;

6. Schutz des Persönlichkeitsrechtes des Schülers (sein Intimbereich) 2 und

7. Berücksichtigung der psychologischen Situation und des Reifegrades der Schüler.

Die staatliche Sexualerziehung führte auch nach der Entscheidung des Bundesverfassungs-

gerichts immer wieder zu Konflikten zwischen Eltern und Staat, Schülern und Staat – aber auch

Lehrern und Staat.

Das verwundert nicht, hat doch das Bundesverfassungsgericht bewußt seine Entscheidung un-

ter Ausklammerung von Zweifelsfragen getroffen, die sich an die staatliche Sexualerziehung

stellen – bereits damals wie auch noch heute. Das Bundesverfassungsgericht hat dazu fest-

gestellt (BVerfGE 47,46/66):

"Hinzu kommt (zu den zwei Meinungen: Sexualerziehung ist nur Elternaufgabe – und

Sexualerziehung ist mitwirkende Staatsaufgabe), dass über Notwendigkeit und Sinn,

Möglichkeiten und Grenzen, Aufgaben und Ziele einer schulischen Sexualerziehung

in Wissenschaft und Praxis vielfach Meinungsverschiedenheiten bestanden und

auch heute noch bestehen.

Es ist jedoch nicht Aufgabe des Bundesverfassungsgerichts, die im Zusammenhang

2 BVerfGE 47,46/73 f: "Auch die Rechte des Kindes aus Art. 2 I GG werden durch die Sexualerziehung in der

Schule berührt. Das Grundgesetz hat den Intim- und Sexualbereich des Menschen als Teil seiner Privatsphäre unter

den verfassungsrechtlichen Schutz des Art. 2 I GG in Verbindung mit Art. 1 I GG gestellt. Diese Vorschriften des

Grundgesetzes sichern dem Menschen das Recht zu, seine Einstellung zum Geschlechtlichen selbst zu bestim-

men. Er kann sein Verhältnis zur Sexualität einrichten und grundsätzlich selbst darüber befinden, ob, in wel-

chen Grenzen und mit welchen Zielen er Einwirkungen Dritter auf diese Einstellung hinnehmen will. Wenn

aber das Verhältnis des Menschen zum Geschlechtlichen unter verfassungsrechtlichem Schutz steht, dann muß die-

ses aus Art. 2 I in Verbindung mit Art. 1 I GG hergeleitete Recht auch dem einzelnen Jugendlichen zustehen.

Seine Intimsphäre kann durch die Art und Weise, in der die Sexualerziehung in der Schule durchgeführt

wird, wesentlich berührt werden. Der Jugendliche ist nicht nur Objekt der elterlichen und staatlichen Erziehung.

Er ist vielmehr von vornherein und mit zunehmendem Alter in immer stärkerem Maße eine eigene durch Art. 2 I in

Verbindung mit Art. 1 I GG geschützte Persönlichkeit. Die Erfahrung lehrt, daß gerade Jugendliche durch pä-

dagogisch falsch angelegte Erziehungsmaßnahmen auf dem Gebiet der Sexualität seelisch verletzt und in ihrer

Entwicklung schwer geschädigt werden können."
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mit der Sexualerziehung in der Schule aufgeworfenen zahlreichen Zweifelsfragen

sowohl pädagogisch-didaktischer, psychologischer, medizinischer, gesellschafts-

politischer als auch ethischer und moralischer Natur zu klären ..."

Es kann wohl nicht als Fehleinschätzung angesehen werden, dass ohne vorherige Aufarbeitung

dieser umfassenden und tiefgreifenden Zweifelsfragen in Bezug auf die staatliche Sexualerzie-

hung vor allem auch in gesellschaftspolitischer Hinsicht, welche den Richtern des Bundesverfas-

sungsgerichts nicht unbekannt waren, eine staatliche Sexualerziehung nicht hätte zugelassen

werden dürfen.

II. Die staatliche Sexualerziehung heute und die Rechte von Eltern und Schülern

Die staatliche Sexualerziehung in allen Bundesländern erzieht die Schüler heute grundsätzlich

ausschließlich zu einem selbstbestimmten, atheistischen, emanzipatorischen Sexualverhalten

– wie bereits 1977 bekannt – und unterläuft damit alle anderen Sexualverständnisse, insbeson-

dere religiöse. Sie verstößt damit gegen die obengenannten Zulassungsvoraussetzungen.

Die heutige staatliche Sexualerziehung

1. ist nicht offen für die verschiedenen Wertvorstellungen auf dem Gebiet der Sexualität;

2. nimmt keine Rücksicht auf die religiöse oder weltanschauliche Einstellung der Eltern;

3. gewährt den Eltern nicht das umfassende Informationsrecht über alle Unterrichts-

themen und alle Materialien (Arbeitsblätter, Folien, Bücher, Hefte, Filme etc.), meist

auch nicht auf Aufforderung hin;

4. beachtet die rechtzeitige Informationspflicht gegenüber den Eltern vor dem Unterricht

häufig nicht; somit können diese ihren Kindern nicht zuvor ihre eigenen Sexualvorstel-

lungen vermitteln und ihre möglichen Bedenken gegen die staatliche Sexualerziehung

vortragen;

5. missachtet das Verbot der Indoktrination der Schüler. Die Schüler werden bereits in

der Grundschule ausschließlich im Sinne der emanzipatorischen Sexualauffassung be-

lehrt;

6. unterstellt den erforderlichen Reifegrad der Schüler und auch einzelner Schüler – oft

entgegen ihrer offenkundigen Unreife – für die Durchführung der Sexualerziehung,

ohne ihn zu ermitteln.

Die heutige staatliche Sexualerziehung verstößt gegen das elterliche Erziehungsrecht (Art. 6 II

Satz 1 GG3 i.V.m. Art. 4 I GG4), das Recht von Eltern, die die von der Schule einseitig vertretene

Weltanschauung der emanzipatorischen Sexualideologie nicht teilen und sie für falsch und

schädlich halten (BVerfGE 93,1/175). Das Bundesverfassungsgericht hat hier entschieden, dass

bereits ein Kreuz in einem Klassenzimmer einer staatlichen Schule das elterliche Erziehungs-

3 "Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende

Pflicht…“

4 "Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses

sind unverletzlich."

5 "Im Verein mit Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG, der den Eltern die Pflege und Erziehung ihrer Kinder als natürliches Recht

garantiert, umfaßt Art. 4 Abs. 1 GG auch das Recht zur Kindererziehung in religiöser und weltanschaulicher Hin-

sicht. Es ist Sache der Eltern, ihren Kindern diejenigen Überzeugungen in Glaubens- und Weltanschauungsfragen zu

vermitteln, die sie für richtig halten. Dem entspricht das Recht, sie von Glaubensüberzeugungen (wie auch von

Weltanschauungen – Einfüg. GE) fernzuhalten, die den Eltern falsch und schädlich erscheinen."
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Charly  21.08.2015