Gefängnisaufenthalt von Herrn Dojan

Lieber Karl,

im Anhang ist der Bericht über den Gefängnisaufenthalt von Herrn Dojan.


Herzliche Grüße
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Gefängnisaufenthalt von Herrn Willi Dojan

Vorigen Donnerstag, den 10.12.09, wurde Herr Dojan aus dem Gefängnis entlassen.

Er erzählte jetzt, was er in diesen Tagen erlebt hat:

Am Donnerstag, den 3.12., wurde er nachmittags um 15.30 Uhr von zwei Polizisten von zu Hause

abgeholt; er war gerade von der Arbeit gekommen und hatte noch nicht gegessen. Zuerst wurde er

ins Gefängnis nach Paderborn gebracht, wo er Abendbrot bekam und übernachtete.

Am Freitagvormittag fuhren ihn dann zwei Polizisten in Zivil zur JVA in Hamm. Vor dem Tor

mußten sie hinter einem Bus ca. eine Stunde lang warten. Als dann das Tor geöffnet wurde,

versagte das Auto seinen Dienst, als die Polizisten durchs Eingangstor hineinfahren wollten; der

Motor lief zwar, aber das Auto bewegte sich nicht vom Fleck. Die Polizisten wurden ziemlich

aufgeregt; jemand rief ihnen zu, sie sollten alle Hebel und Knöpfe ausprobieren, die es da gäbe;

als sie dies taten, ging die Motorhaube hoch. Ärgerlich stieg der Fahrer aus und verschloß sie

wieder. Etwa fünf Minuten lang probierten sie alles Mögliche, bis sich das Auto endlich wieder

in Bewegung setzte. „Das ist das erste und letzte Mal, wo ich einen solchen ins Gefängnis bringe!

“, sagte der Fahrer genervt. Herr Dojan antwortete: „Es warten noch über 10 andere darauf, die

aus demselben Grund wie ich ins Gefängnis kommen. Da müssen Sie wohl doch diese Fahrt noch

manches Mal wiederholen.“ „O nein!“, entgegnete der Polizist, „dann mache ich Urlaub!“

Es war dann schon Mittag, als Herr Dojan ins Gefängnis eintrat; die Büros hatten schon

geschlossen, so daß er gar nicht regulär aufgenommen werden konnte. Man machte nur kurz

eine Notiz über ihn und nahm ihm seine eigenen Kleider1

und seine Tasche mit allem, was er

mitgebracht hatte, weg – noch nicht einmal seine Bibel durfte er behalten2

! Er bekam dann

schwarze Gefängniskleidung (einen Sportanzug) und Hausschuhe und wurde in eine Zelle gebracht,

in der schon zwei Deutsche und ein Türke saßen3

. Herr Dojan erzählte:

Das Mittagessen wurde gerade hingestellt; doch für mich fehlte das Besteck. Der Türke

rief deshalb nach dem Personal und reklamierte dies. Doch weil nicht gleich jemand

kam, sagte er: „Ich brauche nur die Gabel; nimm hier meinen Löffel für dein Essen.“ Er

meinte, das Essen schmecke hier nicht so gut, auch seien die Portionen nicht groß genug

zum Sattessen. Doch als ich mein Menü öffnete, erschien es mir reichlich genug, und

ich sagte: „Ach, das ist so viel, das kann ich nicht alles aufessen. Vielleicht will jemand

von euch noch von meinem Fisch?“ Dankbar nahm der Türke einen Teil davon. Er

bediente mich dann von allen Seiten, gab mir seine Tasse, damit ich Tee trinken konnte,

usw. Ich fragte dann, wo denn ein Bett noch frei sei, und legte mich hinein. Auf einmal

begannen die anderen zu rauchen, und ich fing an zu husten. Der Türke fragte: „Ach,

rauchst du nicht? Wieso bringen die dich dann zu uns?! Die müßten dich doch in ein

Nichtraucherzimmer bringen! Du mußt dich darüber beklagen! Ich drücke gleich den Knopf

dafür.“ Ich antwortete: „Nein, ich will niemanden verklagen.“

1 Nach § 173 des Strafvollzugsgesetzes darf der Gefangene in Erzwingungshaft seine eigenen Kleider tragen.

2 Nach § 70 des Strafvollzugsgesetzes darf der Gefangene Bücher zur Fortbildung oder zur Freizeitbeschäftigung

besitzen.

3 Nach § 172 des Strafvollzuggesetzes darf der Gefangene (bei Erzwingungshaft) nur mit seiner Einwilligung in einer

mehrfach belegten Zelle untergebracht werden. Er hat ein Recht auf eine Einzelzelle.
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Nach einer halben Stunde kam ein Vollzugsbeamter und brachte mich zum Arzt; ich

konnte diesem manches von Jesus sagen, und er hörte sehr interessiert zu, bis er dann

bemerkte, daß er sich noch um die anderen Gefangenen kümmern müsse. Dann führte

mich der Vollzugsbeamte in eine Einzelzelle. – Am nächsten Tag, dem Samstag, bekam

ich die ersten zwei Briefe: einen von zu Hause und einen von Frau Eckermann, in dem sie

eine Strophe zitierte von einer dunklen Zelle und einer dunklen Welt. Ich dachte noch: „So

dunkel ist meine Zelle eigentlich nicht.“ Da kam gerade ein Vollzugsbeamter, um meine

Schuhgröße zu messen, und versuchte darum, das große Licht einzuschalten; doch es

funktionierte nicht. „Oh“, dachte ich, „Frau Eckermann hatte recht mit der ‚dunklen Zelle’.“

Ich konnte nur unter der Lampe am Waschbecken lesen. Erst am Dienstag wurde die

Deckenleuchte repariert.

Am Samstagnachmittag kamen Gläubige aus einer Freien Evangelischen Gemeinde

und veranstalteten für alle Gefangenen eine Adventsfeier in einem großen Saal. Damit

ich besser aussehen sollte, bekam ich von einem Vollzugsbeamten blaue Kleidung und

richtige Schuhe. Der Gefängnischef sagte uns, wir dürften uns gemischt mit dem Personal

und diesen Gläubigen hinsetzen. Es sollte alles bißchen feierlich sein. Der Chef hatte

erst vor zwei Monaten seinen Posten hier bekommen; der alte Chef war gestorben. Nun

hielt er eine Rede über Advent, die Wartezeit, und erwähnte, daß alle hier irgendwie auf

etwas warten: die Gefangenen warten auf die Gerichtsverhandlung und deren Ausgang,

außerdem auf das Ende der Gefangenschaft. Die Adventszeit weist darauf hin, daß wir auf

das Christkind warten; morgen kommt auch der Nikolaus, der dann an eure Tür klopfen

wird...“ – Mit einer Büroangestellten, die ich vom vergangenen Jahr her kannte, konnte

ich von Jesus sprechen und ihr sagen, daß Er vor der Tür steht und anklopft und darauf

wartet, daß man Ihm auftue. – Ein Gefangener, der mich noch vom vergangenen Jahr

her kannte, setzte sich zu mir, und wir konnten ein Gespräch führen. Auch fragte ich

eine Vollzugsbeamtin, warum man mir meine Bibel nicht gäbe. Sie antwortete, ich könne

vielleicht eine bekommen, die dem Gefängnis gehört. Aber ich bekam leider keine. – Dafür

war ich um so froher über die mir zugesandten Traktate, Briefe und Karten, in denen ich

so manches aus Gottes Wort lesen konnte.

Am Sonntagnachmittag hörte ich, wie ein Vollzugsbeamter im Flur sagte: „Einer der

Gefangenen ist ein Baptist; deshalb haben sich jetzt draußen vorm Gefängnis eine Menge

Leute versammelt, die singen, musizieren und predigen.“ Ich selbst konnte von dem

Gottesdienst nichts hören, weil meine Zelle auf der anderen Seite war. Aber am Dienstag

erfuhr ich durch Briefe, daß man auf jener Seite alle Fenster geöffnet hatte; das Personal

hatte sich alles angehört. Der Kinderchor und das Blasorchester hatten auch mitgewirkt.

Weil ich anfangs nicht richtig aufgenommen worden war, kam am Montag die

Büroangestellte in meine Zelle, um dies nachzuholen. Sie fragte: „Wie lange arbeiten Sie

schon? Haben Sie eine Lohnsteuerkarte?“ „Ja“, antwortete ich, „ich bin noch nie arbeitslos

gewesen.“ Darüber war sie sehr erfreut. Als sie mit ihren Fragen fertig war, sagte ich: „Ich

möchte Ihnen gern ein Traktat schenken.“ Sie antwortete: „Ich nehme eins von denen, die

doppelt sind.“ „Woher wissen Sie, daß eines doppelt gekommen ist?“ „Ich hab vorher alles

durchgelesen; darum fiel mir das auf.“ – Als ich dann entlassen wurde, kam sie noch mal
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zu mir, um sich zu verabschieden; sie wünschte mir sehr freundlich alles Gute und frohe

Weihnachten.

Als einmal zum Essenverteilen mehrere Türen gleichzeitig geöffnet waren, konnte ich

mit dem Gefangenen in der Nachbarzelle ein paar Worte wechseln; ich fragte nach

seinem Namen und warum er säße. „Ich bin ein Dieb“, antwortete er, „das Wort ist nicht

angenehm.“ Ich hatte den Eindruck, daß er sich ein wenig schämte. „Wenn er sich noch

schämen kann, dann hat er noch ein lebendiges Gewissen“, dachte ich. Am Abend sang

ich dann das Lied: „Bist du auf Erden gar oft allein...“ Dabei bemerkte ich, daß er mit

seiner Gitarre die Begleitung dazu spielte. Ich sang das Lied auch in den nächsten Tagen,

und jedesmal spielte er dazu.

Ein Vollzugsbeamter hatte mir am Montag bei der Anmeldung gesagt, ich würde am

Donnerstagmorgen um acht Uhr abgemeldet und entlassen. Da ich meiner Frau dies

mitteilen wollte, bat ich darum, mit ihr telefonieren zu dürfen. Mir wurde geantwortet, dafür

müsse ich einen Antrag stellen. „Ich hab aber keinen Kugelschreiber, denn mir wurde

bei der Ankunft meine Tasche mit dem ganzen Inhalt weggenommen.“ Da lieh mir der

Beamte den seinen. Doch dann geschah nichts; statt dessen wurde mir gesagt, wenn ich

telefonieren wollte, müßte man für mich ein Konto eröffnen, und das lohne sich nicht, für

die paar Tage, die ich hier sei. Ich sagte: „Wenn man mir nicht meine Tasche mitsamt

dem ganzen Inhalt, auch dem Geldbeutel, weggenommen hätte, könnte ich es doch ganz

einfach bezahlen und bräuchte kein Konto.“ Statt dessen mußte ich einige Tage lang um

die Gewährung des Telefonats bitten. Endlich kam eine Vollzugsbeamtin und ermöglichte

es mir. Zum Dank schenkte ich ihr ein Büchlein über die Arche und die große Flut. Sie

bedankte sich sehr dafür.

Am Montag, Dienstag und Mittwoch bekam ich Briefe, insgesamt über 40; eine

Vollzugsbeamtin brachte sie mir jeweils. Als sie einmal 14 Briefe brachte, sagte sie: „So

viele Briefe wie Sie hat hier noch niemand bekommen! Jetzt können Sie zwei Tage lang

lesen.“ – Zwei Pakete mit Traktaten und Kalendern wurden mir geschickt; die bekam ich

leider erst am Entlassungstag. Nur die Traktate, die den Briefen beigelegt waren, erhielt

ich sofort. –

Am letzten Tag stand ich morgens früh auf, brachte mein Zimmer in Ordnung und stellte

eine Weihnachtskarte auf das Regal, die ich dann dem Vollzugsbeamten schenkte, als

er mich abholte und ich ihm den Kugelschreiber zurückgab. Ich hatte noch eine Packung

Milch und Joghurt übrig und bat die Vollzugsbeamtin, dies meinem Nachbarn geben zu

dürfen, was sie dann ermöglichte; ich legte noch Traktate und einen Kalender dazu, auf

dem steht: „Mit Gott ins Neue Jahr.“ – Als ich dann hinaustrat ins Freie, waren meine Frau,

einige Angehörige und andere Gläubige schon da, obwohl es draußen noch dunkel war. –

Ich denke, der Gefängnisaufenthalt war nicht vergebens. –

In meiner Firma hatte ich schon wochenlang zuvor den Chef und die Arbeitskollegen

auf die Zeit meiner Abwesenheit vorbereitet. Ich hatte einen Urlaubsschein ausgefüllt,

ohne das Datum dazuzuschreiben, und meinen Kollegen gegeben; sie sollten das Datum
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dann eintragen, wenn es soweit wäre. Der Meister fragte mich später, als ich wieder zur

Arbeit kam: „Na, wie war es?“ „Oh, ich hab über 40 Briefe bekommen – so schöne Briefe!

“, antwortete ich. Er hörte so interessiert zu und bemerkte dann nur noch ironisch: „Ja,

das ist das humane Deutschland! – Nun gut, daß du wieder da bist.“ – Dies war ja jetzt

schon mein zweiter Gefängnisaufenthalt; beim ersten Mal wollte er meinen Urlaubsschein

zuerst nicht annehmen. Aber dann hatten noch andere aus unserer Gemeinde mit ihm

gesprochen, die auch dort arbeiten – es ist eine große Firma, mit 200 Arbeitern –, und

so gab er sein Einverständnis. Ich arbeite dort schon seit 20 Jahren. – Bis jetzt hat

noch niemand von den Gläubigen, die ins Gefängnis kamen, dadurch ihren Arbeitsplatz

verloren.

Einige Arbeitskollegen fragten während meiner Abwesenheit meinen Schwager: „Wo ist

der Willi jetzt?“ „Er hat Urlaub genommen“, antwortete er. „Nein, er wurde verhaftet!“ sagte

jemand. „Na ja, jeder macht Urlaub auf eigene Art – etliche in Spanien, andere in Italien,

und er in Hamm“, entgegnete der Schwager.

Meine Frau wartet jetzt auch auf ihre Verhaftung. Letzten Montag ist für sie die Frist

abgelaufen. Sie war noch nicht das erste Mal dort und hat schon die Vorladung für die

zweite Verhaftung bekommen. Für jedes Kind, das wir vor schulischen, emanzipatorischen

Sexualerziehung schützten, muß auch sie 8 Tage ins Gefängnis; zuerst ging es um den

Sohn, dann um die Tochter. Und wir haben ja noch mehr Kinder. So geht es all unseren

Geschwistern; das auferlegte Bußgeld steigt bei jedem Bußgeldverfahren immer höher.

Das Bußgeld wird jedem Erziehungsberechtigten gesondert auferlegt. Etliche Eltern

sind schon beinahe bei 5000 € angelangt, weil sie viele Kinder haben, die sie vor der SE

bewahren wollen. Unsere Gemeinde hat Unterschriften gesammelt, um uns Eltern vor

der Haft zu verschonen, und hat diese Petition an die Staatsanwaltschaft geschickt; sie

bekamen aber die Antwort: „Es gibt keine Gnade.“ Ich sagte: „Nun gut, wenn ihr nicht

Gnade geben wollt, dann sollt ihr mit mir machen, was ihr wollt.“

Das ‚humane’ Deutschland – ja, in der persönlichen Beziehung; aber was die dritte Gewalt im

Staat angeht, ist eine Entwickelung zu sehen, die die religiöse Kindererziehung christlicher Eltern

verhindert. Liebevolle Eltern, die ihre Kinder vor Schaden zu schützen suchen, werden dafür ins

Gefängnis gesteckt. Gewissenskonflikte von Eltern und Kindern werden nicht mehr beachtet. Es ist

wirklich unfaßbar, was hier geschieht!

Charly  21.08.2015