Im Amtsgericht Überlingen

Lieber Karl,

gestern, am 29.07.08, fand im Amtsgericht Überlingen die Gerichtsverhandlung mit den Eheleuten Gorber statt, denen - wie die meisten inzwischen erfahren haben - vor mehr als einem halben Jahr alle minderjährigen Kinder aufgrund richterlichen Beschlusses des Sorgerechtsentzugs durch ca. 20 Polizisten und 9 Jugendamtsmitarbeiter gewaltsam weggenommen wurden (Grund: siehe Bittschrift, die ich in den letzten Tagen versendet hatte).

Durch die von den Eltern bestellte Rechtsanwältin der Kinder, Frau Eckermann, war es deutlich geworden, dass keinerlei Fakten gegen eine Zurückführung der Kinder ins Elternhaus sprechen - im Gegenteil: Die Kinder sind alle so gut erzogen und sozialisiert, dass durch sie schon die vom Jugendamt in Zweifel gestellte Erziehungsfähigkeit der Eltern bewiesen ist; die Mutter ist wieder ganz gesund und der Vater ist in keiner Weise gewalttätig und nie gewesen, wie es die Kinder alle bezeugen; er ist auch nicht ausgerastet, als seine Frau in der Psychiatrie war (was Nachbarn dem Jugendamt gegenüber befürchtet hatten - was der Auslöser des Kinderentzugs war). Auch hatten die Eltern schon vor Monaten die Kinder in den Schulen angemeldet - als Beweis dafür, dass sie den Hausunterricht nicht fortsetzen wollten. Zudem hatten sie durch eine Psychologin ein Gutachten auf ihre Erziehungsfähigkeit machen lassen.

Der Richter lehnte das Gutachten jedoch ab; es sei nicht professionell genug erstellt worden - nicht von dem von ihm vorgeschlagenen Psychiater. Die Eltern sind bereit, auch darauf einzugehen und es von jenem Psychiater noch einmal erstellen zu lassen. - Außergewöhnlich war, dass das Jugendamt seine Interessen nicht glaubte allein vertreten zu können, sondern dass es zum Verhandlungstermin mit zwei Rechtsanwältinnen kam. Die vom Jugendamt eingesetzte bisherige Rechtsanwältin der Kinder hatte schon vorigen Freitag den beiden älteren Mädchen im Jugendheim zu ihrer großen Enttäuschung gesagt, sie werde alles daran setzen, um sie noch länger dort zu behalten. Sie ist überzeugt, dass dies den "Interessen der Kinder" entspräche, die sie zu vertreten hat. Dabei haben die Kinder schon so oft deutlich bekundet, dass ihr Interesse darin besteht, dass sie so schnell wie möglich nach Hause wollen. Auch steht dem nichts im Wege - wie oben beschrieben.

Schlussendlich nahm aber die Verhandlung doch einen positiven Verlauf: Wenigstens der dreijährige David darf am 09.08.08 - nach dem Ferienaufenthalt der Kinder - endlich wieder nach Hause, und das Umgangsrecht der Kinder mit ihren Eltern wurde gelockert. So durften die beiden größeren Mädchen, die aus dem Jugendheim zur Gerichtsverhandlung gefahren waren, mit ihren Eltern nach Hause fahren und müssen erst heute Abend um 19 Uhr wieder in ihrer Einrichtung sein. Dafür wollen wir Gott danken.

Wir wollen weiter darum beten, dass alle Kinder bald ganz nach Hause entlassen werden - was sie alle so sehr wünschen. Sie wollten lieber nach Hause als zu dem Kinderferienlager.


Ffm., den 30.07.2008

Charly  21.08.2015