Psychiaterwechsel

Lieber Karl,

eine kleine Korrektur muss ich noch einfügen - bezüglich des vom Richter ausgewählten Gutachters für Gorbers: diesmal beharrte er nicht auf dem Psychiater, den er früher vorgeschlagen hatte und der den Eltern nicht gefiel, sondern man einigte sich auf einen anderen Psychiater, den auch die Eltern akzeptieren konnten.

Ich setze einen Auszug aus einem Brief lieber Freunde hier hinzu, der die ganze Situation sehr treffend schildert:


"Im Fall der Familie Gorber aus Überlingen wurde bei der vorgestrigen 6-stündigen Gerichtsverhandlung (bis 8 Uhr abends) zumindest das Ergebnis erzielt, dass der dreijährige David nach seinem Auslandsurlaub nach Hause zurück kehren darf. Die ältesten beiden Mädchen dürfen nun offiziell jedes Wochenende heim. Zu den anderen dreien war man bei den Verhandlungen noch gar nicht gekommen. Am Abend vertagte der Richter die Entscheidung. Die Eltern (und ihre Beistände und Anwälte) wirkten äußerst erschöpft, aber auch sehr erleichtert, dass der große Schmerz um den jüngsten Sohn endlich ein Ende hat. Die anderen Kinder, so eine der großen Töchter, wüssten schon, wo sie hin gehörten, und könnten sich auch mal wehren. Aber David’s Verfassung sei allmählich bedenklich geworden.

Der Richter besteht weiterhin auf einem Erziehungsfähigkeitsgutachten. Das von den Eltern privat eingeholte erkannte er nicht an. Allerdings wählte er- auf die Forderung der Eltern hin- einen anderen Gutachter aus, was positiv sein kann.

Dass es im Grunde vor allem um Schule ging, zeigte sich daran, dass man deshalb die schulpflichtigen Kinder nicht nach Hause entlassen wollte, da der Vater in einer früheren Verhandlung einmal von Auswanderung gesprochen habe. Man traue der (erpressten) Zusage der Eltern nicht, der Einschulung zuzustimmen, denn im Ausland könnten sie sie ja sofort wieder aus der Schule nehmen. Da wird der Bezug zum BGH- Urteil deutlich: Hausunterricht sei Kindeswohlgefährdung. (Ich frage mich: Wann wird die Mauer, die ab 1990 fiel, wieder aufgebaut?)

Ermutigend war die Anwesenheit von etwa 50 Angereisten, die der Familie beistehen wollten, die weitesten von der sächsisch- tschechischen Grenze und von Belgien. Vielen selber Betroffenen tat der Austausch untereinander und das schöne Miteinander gut. Die Kinder einer angereisten Großfamilie versorgten alle Anwesenden (nebst Polizei) sehr lieb mit Essen und Trinken. Auch spielten sie am Ende mit ihrem Familien- Posaunenchor vor dem Gericht einige Kirchenlieder.

Vielen Dank für alle Unterstützung mit Briefen, Anrufen und Gebet!"

Bis dahin der Brief unserer Freunde.


Herzliche Grüße auch von mir:
C. Widmer

Charly  21.08.2015