Sie tun nur ihre Pflicht

Lieber Karl,
19.10.2009

wie vor 10 Tagen berichtet, war Herr Eduard Elscheidt am 08.10.09 in Erzwingungshaft gekommen, weil er seine Tochter nicht der staatlichen Sexual-Erziehung (=SE) preisgeben wollte und von sei-nem christlichen Glauben her gewissensmäßig nicht imstande war, das Bußgeld zu bezahlen; das wäre ihm wie Heuchelei und Lüge vorgekommen, denn er kann nicht über diese Tat Buße tun und wird auch weiterhin seine Kinder vor der staatlichen SE verschonen. - Herr Elscheidt erzählte nun auf meine Anfrage hin, wie es ihm im Gefängnis ergangen ist.

Sein Bericht wie auch ein Kommentar von Frau Rechtsanwältin Eckermann ist im Anhang zu finden.

Einen Teil ihres Kommentars möchte ich hier schon aufzeigen:

Die Gewissensfreiheit ist letztlich in diesen Schulfällen nicht mehr gewährleistet, weil die Bedeutung einer Gewissensentscheidung nicht mehr erkannt wird.

"Im religiösen, insbesondere im christlichen Bereich - gleichgültig, welchen Bekenntnisses und welcher Gemeinschaft - ist die Gewissensentscheidung eine Entscheidung vor Gott. Das Unterlassen einer Gewissensentscheidung, wo es ihrer bedurft hätte, bedeutet im religiösen Bereich ein Sich-Entziehen vor Gott. Das Handeln gegen eine Gewissensentscheidung bedeutet eine Ablösung von Gott, ein Sich-wider-Gott-Stellen, da das religiöse Sein aus Gott fließt, einen Substanzverlust der Persönlichkeit sowie Gefährdung des ewigen Lebens" (Karl Peters, "Überzeugungstäter und Gewissenstäter", in Festschrift für H. Mayer, 1966, S. 257/270).

Es ist erschreckend, was in unserem Land vorgeht, dessen Staatsgewalt sich einst noch weitgehend von christlichen Grundsätzen leiten ließ.



19.10.2009

wie vor 8 Tagen berichtet, war Herr Eduard Elscheidt am 08.10.09 in Erzwingungshaft gekommen,

weil er seine Tochter nicht der staatlichen Sexual-Erziehung (=SE) preisgeben wollte und von

seinem christlichen Glauben her gewissensmäßig nicht imstande war, das Bußgeld zu bezahlen; das

wäre ihm wie Heuchelei und Lüge vorgekommen, denn er kann nicht über diese Tat Buße tun und

wird auch weiterhin seine Kinder vor der staatlichen SE verschonen. – Herr Elscheidt erzählte nun

auf meine Anfrage hin, wie es ihm im Gefängnis ergangen ist.

„Am 08. Oktober wurde ich um 17 Uhr zu Hause verhaftet. Die Polizisten waren von der

Salzkottener Wache; sie waren recht freundlich. Man merkte ihnen an, daß ihnen diese Verhaftung

unangenehm war und sie sich dabei zu entschuldigen versuchten; sie mußten eben ihre Pflicht

erfüllen. Der Polizist, der das Auto fuhr, kannte selber den früheren Rektor der Schule, weil er bei

den Grundschülern immer die Fahrradprüfungen abnimmt. Er sagte, daß er in der Zeitung von den

Schulproblemen jener gläubigen Familien gelesen hatte, aber er hätte nie gedacht, daß er selber dies

vollstrecken müsse.

Überhaupt gab es bei den Begegnungen mit Polizisten und Justizvollzugsbeamten in diesen sechs

Tagen gab es manche, die mir freundlich zu verstehen gaben, daß sie die harten Maßnahmen gegen

uns nicht in Ordnung fanden. Einer sagte einen Satz, den ich mir unbedingt merken wollte: „Sie

haben recht und werden das Recht behalten, aber es wird Ihnen erst später zuerkannt; so ist es schon

immer gewesen.“ – Ein anderer sagte, daß er die SE in der 4. Klasse auch für zu früh hielt.

Ich wurde zuerst zur Polizeiwache nach Paderborn gebracht, wo ich in der Ausnüchterungszelle

übernachtete. Am andern Morgen mußte ich mich beeilen, weil schon früh der Gefangenentransport

mit der Kripo nach Bielefeld vonstatten gehen sollte. Dort angekommen, führte man mich zuerst in

die Wartezelle und dann in die Zelle Nr. 11, wo ich auch bleiben sollte. Ich war hier ganz allein, in

einer 2-Personen-Zelle in der Größe von 4x2,50m, mit Etagenbett, Tisch, 2 Stühlen und Schrank.

Die Bettwäsche war sauber. Aber was mich störte, war der Nikotingeruch; davon hatte ich den

ganzen Tag Kopfschmerzen. Am 2. Tag hatte ich mich an den Geruch gewöhnt. – Ursprünglich

sollte ich nach Hamm ins Gefängnis gebracht werden; doch wegen des schon beginnenden

Wochenendes war es nicht möglich, denn es ging jetzt kein Bus mehr nach Hamm; und da ich

in der nächsten Woche nur noch für 2 1⁄2 Tage gefangen sein sollte, lohnte es sich sowieso nicht

mehr, noch am Montag dorthin zu fahren. Deshalb ließ man mich hier im Strafvollzugs- und

Sicherheitsgefängnis.

Nach dem Mittagessen ging ich in die „Sachenstube“, wo mein Koffer durchsucht wurde. Ich durfte

alles, außer meinen Badehandtüchern, behalten, alle meine Bücher und Bibeln, die mir besonders

kostbar waren. Handtücher wurden uns vom Gefängnis gestellt. – Anschließend hatte ich viel Zeit

zum Bibellesen, Beten und Schreiben. Ich erhielt viel Trost vom Herrn und war Ihm so dankbar

dafür.

Am nächsten Morgen wurden wir um 6.30 Uhr geweckt, und dann hatte ich wieder viel Zeit zur

Stille vor dem Herrn. Zwischendurch frühstückte ich, dann konnte ich mir wieder meine Literatur

vornehmen. Ich hatte mir Bücher mitgebracht, die mir zur Vorbereitung für das kommende

Kindergruppenleiterseminar dienten: sie behandelten die Geschichte der Gemeinde Jesu; ich

hatte auch Bücher über die Brüder- und Baptistengemeinden zur Zeit des Nationalsozialismus, ...

(Bemerkung CW: Herr Elscheidt ist in seiner Gemeinde der Verantwortliche für die Kinderarbeit.)

Es gab jeden Tag eine Stunde Freigang. Am ersten Tag hatte ich noch nicht verstanden, daß man

einen Knopf bedienen mußte, wenn man raus wollte; außerdem regnete es. Nach dem Mittagessen

wurde ich geweckt; der erste Brief war angekommen – er war von der Rechtsanwältin, Frau

Eckermann. Ich dankte Gott, daß ich diese Schwester kennen darf, die uns allen und auch mir so

viel geholfen und für uns gebetet hat. – Dann studierte ich ein Buch über die Christenverfolgung
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unter Kaiser Nero. Nach dem Abendessen las ich von der Zerstörung Jerusalems und ging dann

schlafen.

Am Sonntag hab ich den ganzen Tag in der Bibel gelesen und wurde dabei sehr gesegnet. Ein Lied

kam mir in den Sinn:

Wenn ich mich in Dein Wort versenke, o Jesus Christ, mein Gott und Herr,

dann immer tiefer ich erkenne, daß ich nur Erdenstaub vor Dir.

Du bist mein heil’ger Weinstock eben, ich bin die Rebe nur an Dir;

so wie vom Weinstock in die Reben, Dein Saft, Herr Jesus, quillt in mir.

Wie herrlich ist das! – Am Freigang im Hof nahm ich diesmal auch teil (von 9.00 bis 10.00 Uhr).

Ich staunte, als ich sah, daß unter den Fenstern so viele Lebensmittel lagen: viele Brotscheiben,

Wurst, Marmelade, Quark, – und ich dachte: Den Gefangenen geht es hier recht gut, daß sie so

viel wegschmeißen können. Ich sah aber auch viel Not unter diesen Menschen. Ca. 75 % der

Gefangenen sprachen russisch; einige waren Türken, Polen und Dunkelhäutige. Ein paar Sträflinge

kamen zu mir und fragten mich, wer ich sei, ob ich Rauschgift nähme und rauche. Als ich das

alles verneinte, fragten sie erstaunt, wofür ich denn „sitze“. Ich gab wahrheitsgemäß Auskunft.

Sie konnten nicht verstehen, wieso ich für 120 € ins Gefängnis gehe. Ich erklärte ihnen, daß dies

eine Gewissenssache ist und daß es mir nicht um diese 120 € gehe, sondern darum, daß man mit

Bezahlung von „Buß“-geld gleichsam sagt: Ich tue Buße, – daß es uns aber nicht leid tut, daß wir

unsere Tochter nicht in diesen Unterricht geschickt haben. Sie fragten daraufhin, ob ich gläubig

sei; als ich bejahte, verloren sie jegliches Interesse an mir, weil sie nun wußten, daß sie mir kein

Rauschgift verkaufen konnten.

Um 11.30 Uhr konnte ich mein Mittagessen, Abendbrot und Frühstück abholen, auch heißes Wasser

für das Abendbrot – das am Abend natürlich schon kalt war; aber ich dachte daran, daß dies ja

nicht schlimm sei im Vergleich mit den Verhältnissen in den russischen Gefängnissen. Hier war

das Mittagessen immer recht gut. – Am Nachmittag sann ich über den Trost von Gott her nach. Auf

einmal hörte ich unser Blasorchester draußen auf dem Parkplatz und freute mich so sehr darüber,

daß tatsächlich unsere Geschwister aus der Gemeinde gekommen waren, obwohl ich nur für 6

Tage im Gefängnis war; ich hätte vor Freude herumspringen können – darüber, daß Gott mich

so sehr tröstete. – Was sonst noch gesungen oder gepredigt wurde, konnte ich leider nicht hören,

weil meine Zelle auf der anderen Seite des Gebäudes lag; auch lief in jeder Zelle ringsumher der

Fernseher oder das Radio – wie es halt so zugeht in den Gefängnissen, abgesehen davon, daß viel

Geschrei zu hören ist.

Am Montag fastete und betete ich den ganzen Tag – für die eigenen Kinder und die der Gemeinde,

die in dem Alter sind, wo sie sich bewußt entscheiden können, dem Herrn zu gehören. Ich las dabei

den Galaterbrief durch. Am Nachmittag tröstete Gott mich dadurch, daß ich 17 Briefe bekam; viele

waren von Menschen, die ich bis dahin noch nicht gekannt hatte. Besonders bewegte mich der Brief

eines pensionierten Pfarrers und einer 20-jährigen Studentin. – Durch diese vielen Briefe verstand

ich auf einmal, daß wir manchmal wie Elia denken: „Ich bin allein übriggeblieben...“, und Gott

zeigte mir hiermit, daß Er noch andere hat, von denen wir nichts wissen, obwohl sie gar nicht so

weit von uns entfernt sind. – Dann betete ich für diese Menschen, daß vielleicht etliche davon, die

die biblische Wahrheit noch nicht ganz verstehen, zur rechten Erkenntnis kommen mögen.

Am Dienstag las ich morgens die ersten vier Kapitel des Epheserbriefes, wobei mir wichtig wurde,

wie Gott aus solch unbrauchbaren Heiden, wie auch wir welche waren, in Christus einen neuen

Menschen machte, der Ihm gefällt. Dann studierte ich wieder die Geschichte der Gemeinde. –

Ich hatte starke Sehnsucht nach meiner Familie, meiner Frau und meinen Kindern, und nach

Gemeinschaft mit den Glaubensgeschwistern. Da erhielt ich wieder 17 Briefe; wieder waren etliche

davon von fremden Menschen: von einer ehemaligen Lehrerin, einem Pfarrer, und von vielen

anderen. Insgesamt hatte ich 37 Briefe bekommen. – Jemand hatte mir in einem Brief Traktate
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geschickt, wofür ich sehr dankbar war, denn nun konnte ich sie den Gefangenen geben. Traktate ins

Gefängnis schicken ist eine sehr gute Idee – besonders russische Traktate sind angebracht, denn es

sind so viele russischsprachige Gefangene in den Gefängnissen. Das sollten wir bedenken, wenn

demnächst wieder jemand von uns ins Gefängnis kommt.

Beim Freigang unterhielt ich mich mit einem Türken aus Kasachstan, der russisch sprach. Er

erzählte mir seine Lebensgeschichte und sagte, daß er so am Boden liegt; er mußte immer wieder

ins Gefängnis, jetzt war er gerade zur Gerichtsverhandlung hierher gekommen und wurde für 150

Tage verurteilt. Er saß in Hannover im Gefängnis. Seine Frau hatte ihn verlassen, mitsamt den 3

Kindern. Ich versuchte ihn zu trösten und erzählte ihm vom Evangelium. Später schrieb ich ihm ein

russisches Lied ab und ließ es ihm durch den Wächter übergeben. Er war dafür sehr dankbar.

Am Mittwochmorgen las ich wieder in meiner Bibel. Ich konnte es kaum erwarten, bis der

Zeitpunkt der Entlassung gekommen war. Ich hatte schon alles bereitgelegt. Auf einmal wurde mir

durch den Lautsprecher mitgeteilt: „Herr Elscheidt, sobald Sie fertig gepackt haben, können Sie den

Rufknopf drücken.“ Das tat ich sofort. Nun konnte ich in Begleitung des Justizvollzugsbeamten zu

dem Kontrollpunkt gehen.

Das Gefängnisgebäude hat schwarze Glasscheiben, sodaß man von außen nicht hineinsehen kann.

Am Eingang sitzt normalerweise der Pförtner. Dort stand nun das Gefängnispersonal und schaute

angestrengt zum Fenster raus, worüber ich mich wunderte; doch plötzlich begriff ich den Grund,

als ich bemerkte, daß draußen etwa 20 Glaubensgeschwister standen. Sie waren schon seit einer

Stunde, seit 14 Uhr, da und sangen ihre Lieder. Es war gerade Schichtwechsel, weshalb etliche

Justizvollzugsbeamte zugegen waren und fragten, was denn das für Leute seien. Jemand vom

Personal antwortete: „Du hättest mal am Sonntag da sein sollen – da war was los!“ Ich merkte

aus dem Gespräch, daß sie alle zugehört hatten, auch die Gefangenen; die vom offenen Vollzug

hatten die Fenster geöffnet – viele waren gerade von dem Hausbesuch zurückgekommen (sie hatten

am Sonntag nach Hause gedurft) und hatten den Gottesdienst mitbekommen. Da freute ich mich

sehr, daß der Dienst nicht umsonst gewesen war, obwohl ich selbst wenig davon gehört hatte. Ich

erfuhr hernach, daß ca. 80 Geschwister teilgenommen hatten, aus unserer und den umliegenden

Gemeinden – alle, die ein Herz für unsere Probleme haben –, mitsamt unserem Kinderchor. Auch

ehemalige Drogensüchtige, die der Herr befreit hat, waren gekommen.

Ich wollte noch betonen, daß ich mich nicht als Märtyrer ansehe oder fühle, aber die rege

Anteilnahme der Gläubigen – sowohl derer, die zum Dienst hergekommen waren, als auch der

vielen Menschen, die Briefe geschickt haben – hat mich und auch meine Familie (sie bekam

auch Post) sehr, sehr, sehr getröstet, obwohl ich nur für 6 Tage eingekerkert war und nichts

Schlimmes mit mir passiert war. Trotzdem! Wir merkten, daß wir noch viele Geschwister haben,

aus verschiedenen Gemeinden und Kreisen, die mittragen und mitbeten – alle, die eines Geistes

sind, haben mitgewirkt, mitgebetet, mitgeschrieben. Das hat uns sehr gefreut.“

Bis dahin der Bericht von Herrn Elscheidt. – Seine Frau erzählte mir am Telefon:

„Auch zu uns nach Hause hatten wir Karten geschickt bekommen und wurden dadurch sehr

getröstet. Wir sind es nicht wert! Wir erkannten wieder, daß wir einen so großen Gott haben! Er hat

uns so viele Geschwister zur Seite gestellt! Wir sind überwältigt!

Als wir am Mittwoch von Bielefeld zurückkamen, lagen Briefe sowohl für mich als auch für

meinen Mann im Briefkasten. Ich muß für dieselbe Tochter ins Gefängnis, für die er jetzt

dringesessen hatte; wir beide müssen dann auch noch für die nächste Tochter hineingehen, denn

auch für sie wurde uns 290 € Bußgeld pro Person, und zwar nur wegen einem einzigen Tag

Theaterbesuch, den wir ablehnen.

Der nächste aus Salzkotten, der wohl bald verhaftet wird, ist Willi Dojan. Er war letztes Jahr schon

für 8 Tage im Gefängnis – für seinen Sohn; jetzt geht er für seine Tochter hinein.“
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Elscheidt - Gefängnisaufenthalt - Okt. 2009.doc wird angezeigt.

Charly  21.08.2015