Die 10 Gebote

Das zweite Buch Mose (Exodus) Kapitel 20

Die 10 Gebote

Beitragvon Martin » So Mär 01, 2015 4:29 am

Eine Bibelauslegung von C.H. Mackintosh

2.Mose 20

Gesetz und Gnade
Es ist von grosser Wichtigkeit, den Charakter und die Absicht des Sittengesetzes zu verstehen, das uns in diesem Kapitel vorgestellt wird. Der Mensch ist nämlich immer geneigt, die Grundsätze des Gesetzes und die der Gnade durcheinanderzubringen, so dass weder das eine noch das andere richtig verstanden werden kann. Dadurch aber wird das Gesetz seiner strengen, unerbittlichen Majestät und die Gnade ihrer göttlichen Vollkommenheit beraubt. Die heiligen Forderungen Gottes bleiben unbeantwortet, und andererseits findet der Mensch keinen Ausweg aus der Not seiner Sünden. Gesetz und Gnade sind so verschieden voneinander, dass sie niemals in ein einziges System verwoben werden können. Das Gesetz ist der Ausdruck dessen, was der Mensch sein sollte, während die Gnade zeigt, was Gott ist. Deshalb ist es unmöglich für einen Sünder, teils durch Gesetz und teils durch Gnade errettet zu werden.
Das Gesetz ist gelegentlich "Der Ausdruck der Gedanken Gottes" genannt worden. Davon kann aber keine Rede sein. Es ist zwar der sittliche Massstab Gottes für den Menschen, aber niemals der Inhalt aller seiner Gedanken! Gibt es denn nichts anderes in den Gedanken Gottes, als ein "Du sollst" und "Du sollst nicht"? Findet sich in ihm kein Erbarmen, keine Güte? Will Gott nicht offenbaren, was Er ist - nämlich Liebe? Gibt es in seinem Wesen nichts als Forderungen und Verbote? Wäre es so, dann müsste man sagen: "Gott ist Gesetz", und nicht: "Gott ist Liebe". Aber Gott sei Dank! In seinem Herzen ist weit mehr, als was in den "Zehn Geboten" je zum Ausdruck kommen könnte. Wenn ich Gott kennenlernen will, dann muss ich meine Blicke auf Christus richten, "denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig" (Kol 2,9). "Das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden" (Joh 1,17). Gewiss war das Gesetz ein Teil der Wahrheit. Es enthielt die Wahrheit über das, was der Mensch sein sollte. Wie alles, was von Gott kommt, war auch das Gesetz in seiner Weise vollkommen, nämlich im Hinblick auf den Zweck, um dessentwillen es gegeben wurde. Worin aber bestand dieser Zweck? Sollte darin das Wesen Gottes vor den Augen der Sünder enthüllt werden? Ganz sicher nicht, denn in dem Gesetz gab es weder Gnade noch Barmherzigkeit. "Jemand, der das Gesetz Moses verworfen hat, stirbt ohne Barmherzigkeit" (Heb 10,28). "Der Mensch, der diese Dinge tut, wird durch sie leben" (Röm 10,5; 3. Mo 18,5). "Verflucht sei, wer nicht aufrechterhält die Worte dieses Gesetzes, sie zu tun!" (5. Mo 27; vgl. Gal 3,10). Das war keine Gnade. Der Berg Sinai war gewiss nicht der Ort, wo man Gnade finden konnte. Dort offenbarte sich der Herr in erschreckender Majestat, in Dunkel gehüllt und mit Sturm, Donner und blitz. Das deutete nicht auf ein Handeln Gottes in Gnade und Barmherzigkeit hin; aber es entsprach völlig einem Handeln in Wahrheit und Gerechtigkeit; und genau das und nichts anderes war das Gesetz.
In dem Gesetz legt Gott fest, wie der Mensch sich verhalten sollte und spricht einen Fluch über ihn aus, wenn er diesen Anforderungen nicht entspricht. Nun aber findet der Mensch, wenn er sich im Licht des Gesetzes prüft, dass er gar nicht imstande ist, zu erfüllen, was das Gesetz fordert. Wie könnte er nun durch das Gesetz Leben erlangen? Das Gesetz verheisst ihm zwar Leben und Gerechtigkeit, wenn er die Gebote hält; aber es zeigt ihm schon vom ersten Augenblick an, dass er sich in einem Zustand des Todes und der Ungerechtigkeit befindet. Er ist also von Anfang an auf die Dinge angewiesen, die das Gesetz ihm als Ziele hinstellt. Wie kann er diese nun erreichen? Um so zu sein, wie es das Gesetz verlangt, muss er Leben und Gerechtigkeit haben; und wenn ihm beides fehlt, ist er "verflucht". Tatsächlich aber besitzt er weder Leben noch Gerechtigkeit. Was soll er tun? Das ist die Frage. Mögen die ihm Antwort geben, die "Gesetzeslehrer sein wollen" (1. Tim 1,7); mögen sie in befriedigender Weise einem aufrichtigen Gewissen Rede stehen, das ohne Hoffnung ist angesichts der Heiligkeit und Unerbittlichkeit des Gesetzes und der unverbesserlichen menschlichen Natur.

Das Ziel des Gesetzes
Wozu dann aber das Gesetz? Es kam, wie der Apostel uns belehrt, "daneben ein, damit die Übertretung überströmend würde" (Röm 5,29). Das zeigt uns sehr klar den wahren Zweck des Gesetzes. Es kam daneben ein, um die Sünde als Sünde erkennbar zu machen (Röm 7,13).
Es gleicht in gewissem Sinn einem vollkommenen Spiegel, der von Gott gegeben wurde, um dem Menschen sein moralisches Verderben zu zeigen. Wenn ich mich mit unordentlichen, zerrissenen Kleidern vor einen Spiegel stelle, zeigt er mir zwar die Unordnung, hilft aber dem Übel nicht ab. Wenn ich mit einem guten Senkblei eine unebene Mauer untersuche, zeigt es mir wohl die hässliche Ausbuchtung, beseitigt sie aber nicht. Wenn ich in dunkler Nacht mit einer Laterne ausgehe, lässt sie mich wohl alle Hindernisse und Schwierigkeiten meines Weges erkennen, räumt sie aber nicht weg. Natürlich bringen weder der Spiegel noch das Senkblei noch die Lampe die Übel hervor, die durch sie ans Licht gebracht werden. Sie schaffen weder die Übel noch beseitigen sie diese; sie offenbaren sie nur. Genauso ist es mit dem Gesetz; es kann das Böse im Herzen des Menschen weder hervorbringen noch beseitigen, aber es offenbart es mit untrüglicher Genauigkeit.
"Was sollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde hätte ich nicht erkannt als nur durch Gesetz. Denn auch von der Begierde hätte ich nichts gewusst, wenn nicht das Gesetz gesagt hätte: Du sollst nicht begehren" (Röm 7,7). Der Apostel sagt nicht, dass der Mensch kein Begehr gehabt, sondern dass er davon nichts gewusst habe. Die Begierde war in ihm; aber er war in völliger Unwissenheit über sie, bis die "Leuchte" des Allmächtigen (Hiob 29,3) sein Herz erhellte und ihm das dort verborgene Böse offenbarte. So kann jemand in einem dunklen Zimmer von Staub und Unordnung umgeben sein, ohne es zu merken; sobald aber ein Sonnenstrahl ins Zimmer fällt, kann er alles unterscheiden. Haben die Sonnenstrahlen den Staub hervorgebracht? Natürlich nicht. Der Staub war vorhanden, und die Sonnenstrahlen bewirkten nur, dass er gesehen wurde. Das ist eine einfache Erklärung der Wirkung des Gesetzes. Es beurteilt den Charakter und den Zustand des Menschen. Es beweist ihm, dass er ein Sünder istund stellt ihn unter den Fluch. Es beurteilt den Menschen und verflucht ihn, wenn er seinen Forderungen nicht völlig entspricht.
Niemals also kann ein Mensch durch das Gesetz Leben und Gerechtigkeit erlangen, weil das Gesetz ihn nur verurteilt; und solange nicht der Zustand des Sünders oder der Charakter des Gesetzes gänzlich verändert wird, kann das Gesetz nicht anders als den Sünder verfluchen. Es erlaubt keine Schwachheiten und Gebrechen und begnügt sich nicht mit einem unvollkommenen, wenn auch aufrichtigen Gehorsam. Sonst wäre es nicht mehr "heilig und gerecht und gut" (Röm 7,12). Gerade weil das Gesetz aber diesen Charakter trägt, kann der Sünder kein Leben daraus erlangen. Würde er es erlangen können, so wäre das Gesetz nicht vollkommen und der Mensch kein Sünder. "Darum, aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durch Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde" (Röm 3,20). Der Apostel sagt nicht: "Durch Gesetz kommt die Sünde", sondern die "Erkenntnis der Sünde". "Denn bis zu dem Gesetz war Sünde in der Welt; Sünde aber wird nicht zugerechnet, wenn kein Gesetz da ist" (Röm 5,13). Die Sünde war vorhanden, und es bedurfte nur des Gesetzes, um sie als "Übertretung" zu enthüllen. Wenn ich zu meinem Kind sage: "Du darfst dieses Messer nicht anrühren", dann wird gerade dieses Verbot die Neigung des Kindes, seinen eigenen Willen zu tun, ans Licht bringen. Er bewirkt die Neigung nicht, sondern offenbart sie nur.
Der Apostel Johannes sagt: "Die Sünde ist die Gesetzlosigkeit" (1. Joh 3,4). Der Begriff "Übertretung" würde den Gedanken des Heiligen Geistes in dieser Stelle nicht richtig wiedergeben, denn um ein "Übertreter" sein zu können, muss ich zunächst eine eindeutig festgelegte Regel oder Richtschnur haben. Übertretung bedeutet das Überschreiten einer verbotenen Linie, und eine solche Linie finde ich im Gesetz. Es sagt: "Du sollst nicht töten", "Du sollst nicht ehebrechen", "Du sollst nicht stehlen" (20,12 f.) usw. Damit wird eine Regel oder eine Richtschnur vor mich gestellt, aber nun entdecke ich in mir selbst gerade jene Neigungen, gegen die die Verbote des Gesetzes gerichtet sind. Allein die Tatsache, dass mir geboten wird, nicht zu töten, zeigt, dass Mordlust in meiner Natur vorhanden ist (vgl. Röm 2,15). Es wäre sinnlos, nur eine Sache zu verbieten, wenn ich gar keine Neigung hätte, sie zu tun. Die Offenbarung des Willens Gottes verrät also die Neigung meines Willens, das zu sein, was ich nicht sein sollte. Das ist einfach und klar und entspricht vollkommen der apostolischen Belehrung über diese Sache.

Der Fluch des Gesetzes

Allerdings gibt es viele, die zwar wissen, dass es unmöglich ist, durch das Gesetz Leben zu erlangen, die aber dennoch das Gesetz zu ihrer Lebensregel machen. Der Apostel sagt aber ausdrücklich: "So viele aus Gesetzeswerken sind, sind unter dem Fluch" (Gal 3,10). Ihr persönlicher Zustand kommt hierbei gar nicht in Betracht. Stellen sie sich auf den Boden des Gesetzes, so sind sie unter Fluch. Vielleicht wird jemand sagen: "Ich bin wiedergeboren und darum nicht dem Fluch ausgesetzt". Aber wenn die Wiedergeburt den Menschen nicht vom Boden des Gesetzes entfernt, kann sie ihn auch nicht vor dem Fluch bewahren. Was hat aber das Gesetz überhaupt mit der Wiedergeburt zu tun? Finden wir in dem vorliegenden Kapitel irgendeine Spur davon? Das Gesetz hat nur eine , und zwar eine kurze, bestimmte Frage an den Menschen: "Bist du das, was du sein solltest?" Wenn diese Frage verneint werden muss, so kann es dem Menschen nur seine schrecklichen Flüche entgegenhalten und ihn töten. Und wer wird so bereitwillig wie der wirklich wiedergeborene Mensch anerkennen, dass er in sich selbst alles andere ist als das, was er sein sollte? Wenn er daher unter dem Gesetz ist, dann ist er auch unausweichlich dem Fluch unterworfen. Die Forderungen des Gesetzes können niemals verringert werden - auch durch die Gnade nicht. Der Mensch aber der seine Unzulänglichkeit vor dem Gesetz erkennt, versicht immer, das Gesetz in seinem Anspruch zu erniedrigen. Solche Anstrengungen sind jedoch vergeblich. Das Gesetz bleibt in seiner ganzen Reinheit, Majestät und Strenge bestehen und wird von seiner Forderung eines vollkommenen Gehorsams auch nicht um Haaresbreite ablassen. Wo aber ist der Mensch, wiedergeboren oder nicht wiedergeboren, der eine solche Forderung jemals erfüllen könnte? Man wird vielleicht sagen, dass wir in Christus die Vollkommenheit besitzen. Allerdings. Aber wodurch haben wir sie erlangt? Nicht durch Gesetz, sondern allein durch Gnade. Wir dürfen diese beiden Grundsätze auf keinen Fall durcheinanderbringen. Die Heilige Schrift belehrt uns ausführlich und deutlich, dass wir weder durch das Gesetz gerechtfertigt sind noch dass es die Richtschnur unseres Lebens ist. Das, was nur verfluchen kann, kann niemals rechtfertigen, und das, was nur zu töten vermag, kann niemals eine Lebensregel sein.

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Ein Altar aus Erde

Nach allem, was wir betrachtet haben, muss es für einen geistlich gesinnten Gläubigen eine Freude sein, den Schluss dieses Kapitels zu lesen. "Und der Herr sprach zu Mose: So sollst du zu den Kindern Israel sprechen: ... Einen Altar aus Erde sollst du mir machen und deine Brandopfer und deine Friedensopfer, dein Kleinvieh und deine Rinder darauf opfern. An jedem Ort, wo ich meines Namens werde gedenken lassen, werde ich zu dir kommen und dich segnen. Und wenn du mir einen Altar von Steinen machst, so sollst du ihn nicht aus behauenen Steinen bauen; denn hast du deinen Meissel darüber geschwungen, so hast du ihn entweiht. Und du sollst nicht auf Stufen zu meinem Altar hinaufsteigen, damit nicht deine Blösse an ihm aufgedeckt werde" (V. 22-26).
Der Gläubige vollbringt hier keine Werke mehr, sondern er betet an; und dies am Ende von 2. Mose 20! Wie klar belehrt uns diese Tatsache, dass Gott nicht die Absicht hat, den Sünder mit dem Geist des Sinai zu konfrontieren, und dass überhaupt der Sinai nicht der Ort ist, an dem Gott und Mensch einander begegnen können. "An jedem Ort, wo ich meines Namens werde gedenken lassen, werde ich zu dir kommen und dich segnen." Wie sehr unterscheidet sich dieser Ort, wo der Herr das Gedächtnis seines Namens stiften, wo Er sein anbetendes Volk segnen will, von den Schrecken des rauchenden Berges!
Gott will dem Sünder an einem Altar begegnen, der aus unbehauenen Steinen erbaut ist und keine Stufen hat, also an einem Ort der Anbetung, dessen Herrichtung keine menschliche Tätigkeit voraussetzt, und der dem Menschen ohne irgendwelche Anstrengung zugänglich ist. Das Erste würde nur den Altar entweihen und das Zweite nur die Nacktheit des Menschen enthüllen. Welch ein bewundernswertes Bild von der Person und dem Werk Jesu Christi! Das ist der geistliche Ort, an dem Gott jetzt dem Sünder begegnet, an dem alle Fragen des Gesetzes, der Gerechtigkeit und des Gewissens vollkommen beantwortet sind! Zu allen Zeiten und unter allen Verhältnissen hat der Mensch die Neigung verraten, bei der Aufrichtung seines Altars nach eigenem Werkzeug zu greifen und ihm auf selbsterbauten Stufen zu nahen, aber Verunehrung und Nacktheit waren immer das Ergebnis solcher Versuche. "Wir sind allesamt wie ein Unreiner geworden, und alle unsere Gerechtigkeiten wie ein unflätiges Kleid; und wir verwelken allesamt wie ein Blatt, und unsere Ungerechtigkeiten rafften uns dahin wie der Wind" (Jes 64,5) Wer würde es wagen, Gott in einem unflätigen Kleid zu begegnen oder in seiner Nacktheit ihn anzubeten? Genau das aber tut jeder Sünder, der sich durch eigene Anstrengung einen Weg zu Gott bahnen will. Solche Anstrengungen sind nutzlos, weil sie die Unreinheit und Nacktheit des Menschen nicht beseitigen können. Gott ist dem in den Tiefen seines Verderbens liegenden Sünder so weit entgegengekommen, dass weder Gesetzlichkeit noch eigene Gerechtigkeit den Sünder noch näher zu Gott bringen kann.
Das sind die Grundsätze, mit denen der Heilige Geist diesen Teil des göttlichen Buches schliesst. Es sind die Grundsätze, die jeder Christ kennen muss, um den wichtigen Unterschied zwischen Gesetz und Gnade klar zu verstehen!
Martin
 

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