Sie schützen ihre Kinder

Schulunterricht zu Hause e.V.

Sitz: Buchwaldstraße 16, 63303 Dreieich

17.11.2013

Anlässlich der erneuten Verhaftung und Inhaftierung von zwei Vätern am

15.11.2013 (Näheres unter http://www.medrum.de ), die es wiederholt wagten, die

R e c h t e ihrer Kinder und ihr e l t e r l i c h e s E r z i e h u n g s r e c h t der

staatlichen Zwangssexualisierung entgegenzuhalten,

greift SchuzH die Frage auf, die bei solchen Meldungen immer wieder gestellt wird:

Warum liegt dem Staat so viel daran, 12jährige Schüler gegen ihren erklärten Willen

rigoros in seinen Sexualkundeunterricht zu zwingen und Eltern mit Bußgeldern zu

belegen, weil sie sich schützend vor ihre Kinder stellen und die schamzerstörende,

radikal deregulierende staatliche Sexualerziehung als massiven Eingriff in das

Persönlichkeitsrecht ihrer Kinder (Art. 2 I GG i.V.m. Art. 1 I GG) und in ihr

vorrangiges elterliches Erziehungsrecht (Art. 6 II Satz 1 GG) nicht hinnehmen?!

Die Durchsetzung der Sexualerziehung gegen den Willen von Schülern und Eltern

hat gezeigt, dass es dem Staat nicht um jene geht, sondern um die Umerziehung in

eine neue Gesellschaft. Die Sexualerziehung ist das Vehikel dazu. Darum will er

seine Sexualvorstellungen möglichst lückenlos und durch die schulische, fächer-

übergreifende Sexualerziehung zum Sexualverständnis der Gesellschaft machen.

Warum? Ein kurzer geschichtlicher Rückblick:

In der Mitte der 60er Jahre erreichte die Sexualwelle (gleichzeitig mit der Freigabe

der Anti-Baby-Pille) von den USA herkommend Europa. In Deutschland machte

1968 die Studentenrevolte, die es sich zum Ziel setzte, die Gesellschaft zur Anarchie

zu verändern, die „Befreiung zur Sexualität“ zu einem Programmpunkt ihres „Mar-
sches durch die Institutionen“. Die Herrschafts- und Gesetzlosigkeit (Anarchie) soll

nach dieser Weltsicht zur Befriedigung der Bedürfnisse des Menschen führen.

„Die 1969 von SPD/FDP übernommene Regierung öffnete dieser ... staatsfeindli-
chen Idee alle Tore. Die Sexualität wurde ihrer Tabuzone enthoben. Die Lust avan-
cierte zum höchsten Garanten des Lebensglücks. Alle herkömmlichen Bastionen

der Eingrenzung wurden als eine zu überwindende 'Leibfeindlichkeit' diskriminiert“

(Christa Meves, Thomas Schirrmacher: „Ausverkaufte Würde?“ 2000, S.15/16).

Die Sexualerziehung avancierte durch Beschluss der Kultusministerkonferenz 1968

zum revolutionierenden, fächerübergreifenden Unterrichtsfach – ein Trojanisches

Pferd, von einigen durchschaut, bekämpft bis zum Bundesverfassungsgericht (1977),

aber ohne Erfolg.

„Gemäß der marxistischen Ideologie wurde die Parole ausgegeben, dass das Kind

vom Säuglingsalter an in Sexualität einzuüben sei (denn alles sei eine Frage von

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Lernprozessen), um das hohe Lustziel auch zu erreichen. Eine Schwemme von Auf-
klärungsaktionen setzte ein, um spätestens vom Kindergarten ab die Kinder so einzu-
stimmen, dass sie bis zum Beginn der Pubertät für jegliche sexuelle Betätigung

aufbereitet seien; denn so war und ist bis zum heutigen Tag der Tenor (bis in die

Aufklärungsschriften der Regierung hinein). Alle Formen von Sexualität dienen

gleichermaßen hedonistischer Lebenssteigerung. Sie haben deshalb alle eine gleich

gute Gültigkeit, wenn sie nur gekonnt so gehandhabt werden, dass keine Kinder dabei

gezeugt werden“ (Meves/Schirrmacher, ebd).

Die menschliche Sexualität in dieser enttabuisierten Weise mit Kindern und Jugend-
lichen in Wort, Schrift, Bild, Ton und anderem Anschauungsmaterial im Schulunter-
richt zu behandeln, führt zum – gewollten – Verlust der Scham.

Der Mensch verliert mit dem Verlust der Scham den Schutz, den ihm die Scham gibt,

nämlich schamlose Übergriffe abzuwehren und selbst solche zu unterlassen.

Durch die Enteignung des Schamempfindens sind nicht nur alle sexuellen Tabus

(Ausnahme die Pädophilie) gebrochen worden, sondern alle anderen moralischen

Normen, Übereinkünfte, ja die ganze Gesellschaftsordnung ist zur Disposition ge-
stellt. Der Schamverlust ist der Boden aller Deregulierungen, denen wir seit der 1968

beginnenden Revolution mehr und mehr ausgesetzt sind. Anarchie oder Totalitaris-
mus sind die alternativen Folgen.

Die staatliche Sexualerziehung ist die Initialzündung zur Gesellschaftsrevolution, die

1968 für alle erkennbar begonnen hat, aber dann still ihren Gang durch die Institutio-
nen, unbemerkt von der breiten Masse, vollendet hat.

Diese stetig fortschreitende Aufhebung geltender Ordnungen erleben wir sehr deut-
lich seit der Einführung der staatlichen Sexualerziehung 1968 an der juristischen

Deregulierung der Sexualität. Hier einige der Veränderungen:

Einführung der staatlichen fächerübergreifenden Sexualerziehung an den Schulen

1968 (bestätigt durch das Bundesverfassungsgericht 1977), teilweise Abschaffung

der Strafbarkeit der Homosexualität (1969), Freigabe der Pornographie (1973), Libe-
ralisierung der Abtreibung (1967), Wegfall des Schuldprinzips bei Scheidungen

(1977), vollständige Abschaffung der Strafbarkeit der Homosexualität (1994), Gen-
der-Mainstreaming wird Leitprinzip und Querschnittsaufgabe der Politik, d.h. Auflö-

sung der bipolaren Geschlechtsidentität (1999), gleichgeschlechtliche Lebenspartner-
schaft (2001) ... .

Parallel dazu fand eine Deregulierung des Rechts statt, die fast gänzlich zur Aufhe-
bung des elterlichen Erziehungsrechts (Art. 6 II Satz 1 GG) geführt hat.

Art. 6 II Satz1 GG lautet:

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„Die Pflege und Erziehung der Kinder ist das n a t ü r l i c h e Recht der

Eltern und die z u v ö r d e r s t ihnen obliegende Pflicht.“

Im Zweiten Familienbericht der Bundesregierung (1974) ist das Programm zur

Deregulierung des Eltern- und Kindesrechts zu lesen (zitiert nach I. Lück, „Alarm um

die Schule“, 1980, S. 374/75):

„'Erziehung der Kinder ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe besonde-
rer Art und Bedeutung. Die Wahrnehmung dieser Aufgabe überträgt un-
sere Gesellschaft Familien und außerfamiliären Einrichtungen.'

Es verschlägt einem den Atem. Die Gesellschaft überträgt den Familien die ge-
samtgesellschaftliche Aufgabe der Kindererziehung! Darum setzte die Kom-
mission ‚leibliche Eltern‘ in Anführungszeichen, darum nennt sie die Eltern

‚Dauerpflegepersonen‘, darum will sie diese Dauerpflegepersonen für die pä-

dagogischen Dienstleistungen durch ein Erziehungsgeld entlohnen, daher be-
fürwortet sie die Tagesmütter und fordert Servicezentren für Kinderbetreuung,

daher fordert sie Ganztagsschulen ... . Sobald die Erziehung der Kinder als ei-
ne gesamtgesellschaftliche Aufgabe angesehen und durchgeführt wird, ist die

Freiheit des Einzelnen und die der Familie beendet. Eltern und Kinder gehören

dann nicht mehr ursprünglich zusammen, beide wären bereits vom Augenblick

der Geburt des Kindes voneinander durch die Gesellschaft getrennt. Die Ge-
sellschaft als Erziehungsinstitution hebt das ‚natürliche Recht der Eltern‘ auf

Pflege und Erziehung der Kinder auf.“

Dass dieses Programm der Verstaatlichung der Kinder heute mit Macht realisiert

wird, kann nicht übersehen werden.

Mit § 1631 Abs. 2 BGB hat der Staat das „natürliche“ und den Eltern „zuvörderst“

zustehende Erziehungsrecht seiner eigenen Kontrolle unterworfen. § 1631 Abs. 2

BGB lautet:

„Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestra-
fungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigenden Maßnahmen

sind unzulässig.“

Auf Grund dieser Norm hat sich der Staat die Möglichkeit geschaffen, Erziehungs-
maßnahmen der Eltern strafrechtlich (der Klapps auf das Gesäß als Körperverlet-
zung) und/oder durch Entzug (auch Teilentzug) des elterlichen Erziehungsrechts zu

verfolgen.

Die Rechtsprechung fördert die Deregulierung des Elternrechts und das der

Kinder.

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Die Inhaftierung der beiden Väter beweist dies. Diese Gerichtspraxis vom Amts-
gericht bis zum Bundesverfassungsgericht beobachtet und kritisieren SchuzH und

auch andere seit Jahren. Rechtliche und wissenschaftliche Argumente werden

ignoriert.

Der Bundesgerichtshof urteilte – allen wissenschaftlichen Beweisen zum Trotz –,

z.B. Privatunterrichtung (Hausunterrichtung, Homeschooling) verletze per se das

Kindeswohl (BGH XII ZB 42/07). Damit gelten weder die wissenschaftliche Beweis-
führung noch offensichtliche Fakten, denn in den meisten Ländern der Welt werden

Kinder zu Hause unterrichtet, ohne dass dadurch ihr Wohl gefährdet wird. Anstelle

dieser offensichtlichen Beweise tritt die Ideologie. Das ist Deregulierung von Ge-
setz, Recht, Fakten und Wissenschaft. Die Folge ist Willkür.

Die Krabat-Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes (6 C 12.12) verfügt

schamlos über das „natürliche“ und „zuvörderst“ den Eltern zustehende Erziehungs-
recht, indem es entschied (S.11):

„Mit ihr (der Schulpflicht) haben die Eltern hinzunehmen, dass der Staat als Bildungs-
und Erziehungsträger im Umfang des schulischen Wirkungsfeldes an ihre Stelle tritt,

womit ihre Möglichkeit, unmittelbar in eigener Person pädagogisch auf ihre Kinder

einzuwirken, auf den außerschulischen Bereich beschränkt wird.“

Die Antwort von SchuzH zur Ausgangsfrage (siehe oben S.1) lautet: Die Schüler,

die noch das naturgegebene Schamempfinden haben, müssen – so der Staat – an der

Sexualerziehung teilnehmen, um ihre Schamempfindungen abzutrainieren, damit sie

sich den staatlichen Deregulierungsmaßnahmen nicht widersetzen.

Habermas, einer der namhaftesten Vertreter der sogenannten 1968er Revolution,

sprach von drei Phasen für die Revolutionierung unserer Gesellschaft im Sinne des

Neo-Marxismus (I. Lück: „Alarm um die Schule, 1980, S.58):

„Phase der Kritik und der Umdeutung der Überlieferung im Sinne des

Marxismus als Theorie der Geschichte und der Wirklichkeit.

Phase der Erschütterung der Normen und Weltbilder bis zum Brüchig-
werden der Legitimation des bestehenden Systems.

Manifest geführter Klassenkampf als einzige Praxis zur Überwindung des

falschen Systems.“

Mit „falsches System“ ist in diesem Sinne unsere Gesellschaft gemeint, wie sie noch

1968 bestand.

Schulunterricht zu Hause e.V.

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Gabriele Eckermann

Charly  08.04.2015